Projekt

5Projektbeschreibung

Im Leitprojekt Sport! Jugend! Agiert! bündelt die dsj ihre sozialen Aktivitäten und Projekte im Kinder- und Jugendsport. Aktueller Schwerpunkt sind Maßnahmen zum Umgang mit Rechtsextremismus im Sport.  

Die Integration von sozial Benachteiligten sowie von Menschen mit Migrationshintergrund und der Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus sind dauerhafte gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die nur durch die aktive tagtägliche Beteiligung vieler Kräfte gemeinschaftlich geleistet werden können. Die Deutsche Sportjugend hat das Potenzial, vorhandene Kräfte zu bündeln und zielgerichtet weiter zu entwickeln, um so Vielfalt, Toleranz und Demokratie zu fördern.  




Ziele: Sport als Ort der Demokratie

Wer in seinem konkreten Lebensumfeld Vielfalt, Toleranz und Demokratie positiv erlebt, kann leichter ein Gefühl für die grundsätzliche Bedeutung dieser Werte für das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln und ist auch eher bereit sich in seinem eigenen Handeln an diesen Werten zu orientieren. 

Der organisierte Sport, als auch seine Untergliederungen – muss/müssen 

  1. sich in diesem Thema eindeutig positionieren: Zum einen muss er sich gegen die Vereinnahmung durch rechtsextreme Organisationen verwahren, zum anderen seine Potenziale durch sozialpräventive Maßnahmen kenntlich machen;
  2. den Sportvereinen den Rücken stärken: die Angebote für Kinder und Jugendliche zur sinnvollen Freizeitgestaltung müssen erhalten und gerade dort ausgebaut werden, wo sinnvolle und sinnstiftende Freizeitangebote wegzubrechen drohen;
  3. die im Sportverein tätigen Multiplikator/-innen müssen im kompetenten Umgang mit rechtsextremen Phänomenen und den dabei notwendigerweise auftretenden Konflikten und Interessenskollisionen unterstützt werden und
  4. über den sportlichen Kern der Aufgabe von Sportvereinen hinaus sind konkrete Maßnahmen erforderlich, die rechtsextremen Tendenzen Grenzen setzen und Sportvereine davor bewahren, für die Zwecke von Rechtsextremen funktionalisiert zu werden. Dazu gehören u.a. die Umsetzung eines Ehrenkodexes oder entsprechende Formulierungen in den Vereinssatzungen.
Kein Raum und kein Platz für Antidemokraten – nicht auf dem Spielfeld, nicht auf den Zuschauerrängen, nicht in der Sporthalle  – und auch nicht in den Köpfen !?
Download des Positionspapiers der Deutschen Sportjugend: Dem Rechtsextremismus keine Chance!

 

6Aktuelle Lage

Die Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung von Minderheiten ist eine dauerhafte gesamtgesellschaftliche Aufgabe und zunehmend auch für den Sport eine große Herausforderung. 

Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund werden bei Sportgerichtsurteilen vergleichsweise häufiger und/oder härter bestraft als Sportlerinnen und Sportler ohne Migrationshintergrund. Zudem ist festzustellen, dass vermehrt rassistische Äußerungen auf dem Spielfeld fallen.   

Die im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaften durchgeführte Studie zur Wandlung des Zuschauerverhaltens im Profifußball (Zip-Studie) belegt, dass Rassismus zum Fußballalltag gehört. Die rechtsextreme Szene hat ihre Strategie gewandelt und kommuniziert nun mittels versteckter Codierungen von rechtsextremen Einstellungen und einem entsprechenden Symbolsystem, das oft nur für Insider erkennbar ist. 

Rechtsextreme Orientierungen sind bundesweit auf dem Weg, vom Rand in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Verschiedenen Umfragen belegen, dass fast 20 Prozent aller Deutschen entsprechendem Gedankengut zuneigen. Erfolge rechtsextremer Parteien bei Kommunal- und Landtagswahlen sind ein Indiz für diese bedenkliche Entwicklung. 

Offensichtlich eröffnen vor allem große soziale Probleme Rechtsextremisten besondere Chancen für ihr Wirken. Dort wo soziale Integration misslingt, wo Arbeitslosigkeit und schlechte ökonomische Rahmenbedingungen für viele Menschen mit sehr realen Problemen verbunden sind, wächst auch die Akzeptanz für rechtsextreme Parteien, Gruppen und Organisationen in der Bevölkerung. 

Rechtsextremes Handeln ist keine Bagatelle, sondern zielt auf die Abschaffung von Demokratie und Menschenrechten. Es bedient sich dabei zunehmend bestehender Strukturen oder breitet sich dort aus, wo demokratische Strukturen zivilgesellschaftlicher Organisationen fehlen oder zurückgehen. 

Organisationen des rechtsextremen Spektrums versuchen zur Zeit mit unterschiedlichen Strategien, die Attraktivität des Sports für ihre Zwecke zu nutzen bzw. zu missbrauchen: 

  • im Rahmen von sog. „Zeltlagern“ werden Kindern und Jugendlichen Sportangebote unterbreitet, die sie „stählen“ und „selbstbewusst machen“ sollen;7
  • besonders in ländlichen Räumen werden „Freizeitturniere“ in populären Sportarten initiiert, um sich als Teil des „normalen Sportbetriebes“ darzustellen;
  • Sportveranstaltungen werden gezielt für öffentlichkeitswirksame Präsentation von rechtsextremen Aussagen genutzt;
  • Funktionäre aus dem rechtsextremen Spektrum streben ehrenamtliche Funktionen in Sportvereinen an; gelegentlich versprechen sie finanzielle Förderung,
  • Angehörige rechtsextremer Parteien und Organisationen beantragen in mehreren Teilen des Bundesgebietes die Mitgliedschaft in einem Sportverein, häufig unter Einbeziehung von Familienangehörigen.
Letztendlich dienen all diese Aktivitäten – die keineswegs auf die neuen Bundesländer beschränkt sind – der Verbreitung von menschenverachtendem, antidemokratischem Gedankengut.