Gelungene Maßnahmen

Musterraumnutzungsvertrag und Haus- und Nutzungsordnung


Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (www.mbr-berlin.de) hat unter Mithilfe von juristischen Sachverständigen einen Musterraumnutzungsvertrag erarbeitet, zur rechtlichen Handhabe für Vermieter/-innen im Umgang mit rechtsextremen Veranstaltungen.

Dieser wurde vom Landessportbund und der Sportjugend Niedersachsen mit juristischer Unterstützung modifiziert, so dass er auf Sporträume Anwendung finden kann. Ebenfalls wurde eine Haus- und Nutzungsordnung für Sportanlagen erarbeitet, die Vereine und Verbände unterstützen soll, wenn rechtsextrem orientierte Personen versuchen bei Veranstaltungen aufzutreten.

Bei Bedarf können die Muster zum Raumnutzungsvertrag für Sporträume und die Haus- und Nutzungsordnung für Sportanlagen über die Arbeitsgruppe Sport! Jugend! Agiert! bei der Deutschen Sportjugend (Weber@dsj.de) angefordert werden.


Die Initiative: Rote Karte gegen Rechts - Bunte Karte für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit


Sie kleben an Autoscheiben, hängen an Pinwänden, zieren Büroschreibtische, schicken Grüße an FreundInnen und Bekannte. Jugendliche verteilen sie auf Demos und Konzerten, Erwachsene in Veranstaltungen und Seminaren, private und öffentliche Einrichtungen über ihre Auslagen: Mit der „Roten Karte gegen Rechts“ und der „Bunten Karte für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit“ setzen immer mehr Menschen in Bremen und Norddeutschland ein deutliches Zeichen gegen den zunehmenden Rechtsextremismus.

Der Hintergrund

Anlass dafür gibt es genug: in Bremen und seinem Umland nehmen in den vergangen Monaten mehr noch als in den Jahren davor, in erschreckender Weise Aktivitäten und Systematisierungen rechter Szenen, Cliquen und Organisationen zu. Über Gratis-Musik-CDs, Internetauftritte, Konzerte und erlebnispädagogische Events verschaffen sie sich auf subtile Weise gezielt Zugang zu Jugendlichen: Faschistische Ideologien verknüpft mit jugendrelevanten Themen wie Zugehörigkeit und Anerkennung, verpackt in Musik und Gemeinschaftserlebnisse versprechen „Lösungen“ und „positive Zukunftsvisionen“ in einer Zeit großer gesellschaftspolitischer und individueller Verunsicherung.

Rechtsextremistische Parteien und Organisationen können insbesondere da agieren und sich entwickeln, wo ihnen wenig öffentlicher Widerstand entgegengebracht wird. Viele Jugendliche und Erwachsene stehen rechstextremen Tendenzen mit großem Unmut aber auch Ratlosigkeit gegenüber. Etliche (Jugend-)Initiativen und Einrichtungen engagieren sich aktiv gegen Rechts, werden aber häufig zu wenig in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

Die InitiatorInnen

Auch das LidiceHaus widmet sich seit über 15 Jahren und mit bundesweiter Anerkennung in politischer Jugend- und Erwachsenenbildung dem Thema des Wiedererstarkens des Rechtsextremismus und dessen gesellschaftspolitischen Hintergründen. Dabei wird in Fachtagen, Seminaren und Qualifizierungsreihen und angesichts der jüngsten Entwicklungen in Dörverden (Heisenhof), Sachsen, Brandenburg usw. immer deutlicher, dass es neben der fundierten theoretischen und praktischen Arbeit ebenso einer starken, öffentlichen Gegenkultur bedarf.
„Man müsste den Rechten die Rote Karte zeigen!“ bringt es Andrea Müller, pädagogischer Leiter der Jugendbildungsstätte, immer wieder auf den Punkt - bis es Anfang des Jahres heißt: „W ir müssen tatsächlich eine Rote Karte haben!“

Seine Anfrage, gemeinsam solch eine Karte zu entwickeln und herauszubringen, findet bei Ines Hillmann von der Werbeagentur „axent“ sofort großen Zuspruch. Sie erstellt Werbekonzeptionen insbesondere für soziale Organisationen und Einrichtungen, so auch für das LidiceHaus, und steuert gleich die Idee einer „Bunten Karte für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit“ bei. Denn: “Zu jedem ‚Gegen’ gibt es schließlich auch ein ‚Für’ - positive Visionen, für die es sich einzusetzen lohnt.“.

Die vollständige Projektdokumentation finden Sie hier: RoteBunteKarte (PDF) 


 Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Sport für Menschlichkeit und Toleranz

Seit Juli 2007 ist die Brandenburgische Sportjugend, nachdem der Landessportbund 2005 Kooperationspartner des Handlungskonzeptes wurde, nun auch Teil des landesweiten Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“ gefördert aus dem Bundesprogramm „kompetent. für Demokratie“. Die BSJ möchte verstärkt durch verschiedene Angebote das zivilgesellschaftliche Engagement und die Zivilcourage im organisierten Sport stärken, um gegen Gewalt und Rechtsextremismus im Sportbereich vorzugehen.

Das Bundesprogramm unterstützt hierbei die Einrichtung und Weiterentwicklung von landesweiten Beratungsangeboten, aus denen im jeweiligen Krisenfall Mobile Interventionsteams gebildet werden. Das Beratungsprojekt „Vereint gegen Rechtsextremismus – Sport für Menschlichkeit und Toleranz“ befasst sich jedoch nicht ausschließlich mit der so genannten Krisenintervention, sondern gibt auch Hilfestellungen im praktischen Umgang mit dem Thema. Vordergründige Zielstellung der Brandenburgischen Sportjugend ist die Sensibilisierung der Akteure, die Vermittlung und Vertiefung von Kenntnissen über Rechtsextremismus in den Vereinen, eine Weitergabe aktueller Informationen sowie die Stärkung der Handlungskompetenzen der Sportvereine in der sportlichen Jugendarbeit.

Das Handlungskonzept der Landesregierung gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit wurde 1998 beschlossen. Es zielt darauf ab, Toleranz und Demokratiefähigkeit durch die schwerpunktorientierte Arbeit in Verwaltungen, Institutionen, Bildungseinrichtungen, in der Wirtschaft sowie in Vereinen, Verbänden und Körperschaften zu erreichen. Die Landesregierung kooperiert hierzu mit zahlreichen gesellschaftlichen Partnern. Das Handlungskonzept wurde 2005 unter dem Titel „Tolerantes Brandenburg – für eine starke und lebendige Demokratie“ aktualisiert und fortgeschrieben. Es steht für ein Leitbild der Landesregierung, um die Zivilgesellschaft im Land Brandenburg zu stärken und weiterzuentwickeln.  

   

Fachkongress „Verein(t) gegen Rechtsextremismus im Sport“

Der Kongress „Verein(t) gegen Rechtsextremismus im Sport“ als Jahreshöhepunkt des Projektes wird am 12./13. September in Brandenburg an der Havel stattfinden. Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der Brandenburgischen Sportjugend, der Landeszentrale für politische Bildung, der Mobilen Beratungsteams, des Verfassungsschutzes, der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“, des Kick-Projektes und der Deutschen Sportjugend. Der Flyer zur Veranstaltung wird in Kürze vorgestellt.

  

Am Ball bleiben - Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung

„Am Ball bleiben – Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“ – das ist Titel und Programm des Projekts der Deutschen Sportjugend zur Aktivierung der Jugendnetzwerke im Fußball. Rassismus, Gewalt und Diskriminierung im Bereich des beliebtesten Sports Deutschlands sollen dabei vor allem mit Anerkennung, Vielfalt und demokratischem Engagement begegnet werden. Im Mittelpunkt des Programms stehen die zwei As: Aktivierung und Aufklärung.

Das gemeinsam vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Projekt mit einer Laufzeit von zunächst drei Jahren bietet dem Rassismus im Fußball auf vielfältige Weise die Stirn. Durch die Aktivierung lokaler Netzwerke soll rassistisches und gewalttätiges Verhalten nachhaltig bekämpft werden. Hier spielen Informationsvermittlung und Fortbildung eine wichtige Rolle. Zur Aufklärung und Aktivierung sind in diesem Jahr verschiedene Maßnahmen geplant:  eine Fachtagung zum Thema „Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“, eine für Fan-Projekte konzipierte Fortbildungsreihe oder die Unterstützung bei der Überarbeitung der Ausstellung „Tatort Stadion“ des Bündnisses für aktive Fußballfans (BAFF).

Auch wenn sichtbares und hörbares rassistisches und rechtsextremes Verhalten im Fußballstadion deutlich zurückgegangen ist, bedeutet dies nicht unbedingt einen Rückgang von problematischen Einstellungsmustern. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit und die mediale Berichterstattung zu diesen Vorkommnissen zeigten der Öffentlichkeit, dass Rassismus, Diffamierung und Ausgrenzung nicht nur Fußball-Profiligen anzutreffen sind, sondern vielmehr in den unterklassigen Amateurligen ein besonderes Problem darstellen.

Eine wesentliche Aufgabe des Projektes ist es, die vorhandenen Ansätze der Prävention und der Auseinandersetzung mit Rassismus, Rechtsextremismus,  Fremdenfeindlichkeit und  Diskriminierung  im Fußballumfeld zu sichten und zu dokumentieren. Darüber hinaus ist die Erarbeitung und Entwicklung von Vorschlägen und Strategien, gegen rassistische und diskriminierende Vorfälle im Fußballumfeld vorzugehen bzw. im Vorfeld zu begegnen, ein weiterer zentraler Arbeitsschwerpunkt.

Das Motto „Am Ball bleiben“ ist zugleich Programm des Projektes mit dem Ziel, speziell Fußballfans im Jugend- und Erwachsenenalter, Mitglieder von Sportvereinen und -verbänden und weitere am Thema zugehörige Multiplikatoren stärker gegenüber Extremismus, Rassismus und Diskriminierung im Fußball zu sensibilisieren.

Projekt „Mobile Interventionsteams gegen Rechtsextremismus im Sport“ (MITS)

Sport wird immer häufiger nicht nur als Spiegelbild, sondern als Brennglas der Gesellschaft bezeichnet. Wenngleich Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im Sport nicht dominant sind, stellen sie doch einige Vereine und Verbände vor echte Herausforderungen.

Einige Beispiele aus Hessen:

  • Torwart läuft mit der Trikot-Nummer „88“ auf
    („88“ steht als Symbol für jeweils den 8. Buchstaben des Alphabets „H“ und bedeutet „Heil Hitler“)
  • Ein NPD-Funktionär verklagt Verein bzgl. Aufnahme seines Sohnes
    (Fußball, F-Jugend)
  • Rechtsextremistische Fangesänge und –Kleidung (Fußball-Bezirksliga)
  • Hoher NPD-Funktionär (vorbestraft wg. Volksverhetzung) ist F-Jugendtrainer
  • Interethnische/rassistische/antisemitische Konflikte und Gewalt im Amateur- und Jugendfußball
  • Probleme bei der Integration von neuen, speziell Migrantenfußballvereinen
  • Junge erwachsene Vereinsmitglieder kommen aus der rechtsextremen regionalen Szene

Um dieser Situation zu begegnen hat die Sportjugend Hessen 2007 das Projekt „Mobile Interventionsteams gegen Rechtsextremismus im Sport“ (MITS) initiiert.

Die Ziele des Projektes:

  • Stärkung der Demokratie und einer Kultur der Anerkennung und Gleichwertigkeit in den Vereinen
  • Stärkung der Werte des Sports (Fair Play auf allen Ebenen)
  • Unterstützung bei der interkulturellen Öffnung der Vereine (Umsetzung „Sport für alle“ – auch für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund)
  • Lokale Nachverfolgung von rechtsextremistischen Vorfällen im und um den Sport(verein)
  • De-Eskalation und Nachbereitung von Konflikten mit rassistischem, antisemitischem und/oder rechtsextremistischem Hintergrund im Kontext kritischer Fußballspiele
  • Beratung von Vereinen, Sportkreisen und Verbänden zu den Themen Diskriminierung /Rechtsextremismus / Rassismus / Antisemitismus (Prävention)

In der Praxis finden nach diversen Vorfällen derzeit Beratungen in 13 hessischen Vereinen statt. Die Beratungen beziehen sich zum Beispiel auf den Einsatz von Instrumenten wie Satzungsergänzung, gemeinsame Erklärung gegen Rechtsextremismus, Trainer-Kodex, Demokratische Hallen- und Sportplatzordnung, Mustermietvertrag für Vereinsgaststätten usw.

Weiterhin werden Schulungen für Trainer/-innen und Vereinsbetreuer/-innen sowie diverse Präventionsmaßnahmen bei Vereinen, Verbänden und Vorträge bei Veranstaltungen durchgeführt. Zum Angebot zählen auch Sportveranstaltungen mit entsprechendem Rahmenprogramm (z.B. Mitternachtssport gegen Rechtsextremismus in Hoch-Weisel/Butzbach).

Kooperationspartner sind: